Österreicherin leitete die Weltmeisterschaft der Damen

21.07.2022 geändert vor 5 Monaten
von Sabine Blemenschütz

Die Niederlande bleibt im Damenhockey die alles beherrschende Nation. Bei der 15. WM schlug letzten Sonntag in Terrassa das Oranje-Team im Finale Argentinien mit 3:1. Damit schaffen sie den WM Titel-Hattrick und erhöhen die Anzahl der gewonnenen Weltmeisterschaften auf neun.

Die deutschen Damen scheitern tags zuvor in einem dramatischen Halbfinale nach Shoot-out an den Südamerikanerinnen. Auch die lange in greifbarer Nähe liegende Bronzemedaille entglitt dem DHB-Team noch, als das Spiel um Platz drei gegen Australien nach 1:0-Führung in der Schlussphase noch 1:2 verloren ging.

Die Platzierungen:

1. Niederlande (1)
2. Argentinien (7)
3. Australien (4)
4. Deutschland (5)
5. Neuseeland (11)
6. Belgien (10)
7. Spanien (3)
8. England (6)
9. Indien (8)
9. China (16)
11. Irland (2)
11. Japan (13)
13. Korea (12)
13. Chile (-)
15. Südafrika (15)
15. Kanada (-)

Eine Österreicherin war bei der Weltmeisterschaft der Damen an vorderster Front - Elisabeth Fürst wurde für dieses Großereignis die Rolle des "Tournament Directors" übertragen. Wir führten mit ihr ein Interview und sie gewährte uns einen Blick hinter die Kulissen.

Als TD eine WM zu leiten - wie fühlt sich das an?

Ich bin vor allem dankbar, dass ich die Rolle als TD bei der WM übernehmen durfte - es ist eine Ehre und Freude, aber man ist sich auch der Verantwortung bewusst. Den TD-Job bei einem solchen Großereignis übertragen zu bekommen drückt Wertschätzung aus für die Arbeit, die man als Offizielle über Jahre hinweg geleistet hat, und es ist natürlich eine tolle Gelegenheit, bei einem der wichtigsten Turniere in unserem Sport in der ersten Reihe dabei zu sein und zum Gelingen beitragen zu können - und dabei auch noch die besten Spielerinnen ganz aus der Nähe zu sehen.

Wie wird man eigentlich TD?

Ich habe die Technische Offiziellen-Karriere eher zufällig eingeschlagen. Ich hatte schon in verschiedenen Rollen bei Turnieren freiwillig geholfen und wurde dann einmal gefragt, als Local Judge auszuhelfen, als jemand gebraucht wurde. Ich fand die Rolle interessant, habe nach diesem ersten Turnier weitergemacht und durfte Österreich bald auch international vertreten. Dafür spreche ich gerne Inge Grüner ein großes Dankeschön aus, die mich am Anfang unterstützt und gefördert hat.

Von den Anfängen als lokaler Tischoffizieller dauert es dann normalerweise einige Jahre, bis man sich zum TD hochgearbeitet hat - man muss mehr über das Regelwerk und seine Anwendung lernen, sich weiterentwickeln und zunehmend mehr Verantwortung in Spielen und Turnieren übernehmen, bis man als TD das gesamte Team der Offiziellen leitet und die Verantwortung für die gesamte technische Seite eines Turniers hat. Dabei hatte ich das Glück, durch meine berufliche Tätigkeit im Hockey viel Gelegenheit zu haben, andere Offizielle zu beobachten und von ihnen zu lernen, was mir sehr geholfen hat. Mittlerweile bekomme ich seit einigen Jahren TD-Ansetzungen und durfte vor dieser WM zum Beispiel schon die Hallen-WM 2018, die Youth Olympic Games 2018 und die EM 2019 leiten.

Alle Fotos:

WORLDSPORTPICS.COM/FFU
www.wordsportpics.com

Eine WM in Holland ist ja immer etwas Besonderes. Wie erlebst du das?

Jedes Großereignis in Holland ist immer ein Erlebnis. Ich durfte schon bei einigen dabei sein, von der WM 2014 in Den Haag bis zur EM letztes Jahr in Amsterdam, und der hohe Standard der Organisation und der Stadien ist immer wieder beeindruckend. Besonders ist auch der Stellenwert von Hockey in Holland ganz allgemein - Hockey ist ein Sport, den jeder kennt, und viele Nationalspieler sind der Mehrheit der Leute, auch denen, die selbst nicht aktiv Hockey spielen oder gespielt haben, bekannt. Das holländische Publikum ist - neben Argentiniern vielleicht - das enthusiastischste und das fachkundigste, was Hockey anbelangt, und die Atmosphäre im Stadion, wenn Holland spielt oder bei wichtigen Spielen, gibt es sonst kaum wo.

Bei dieser WM aber war ich von Anfang bis Ende in Terrassa, während ein Kollege für Amsterdam zuständig war. Das Stadion in Terrassa war aber auch etwas Besonderes: wir haben in dem Stadion gespielt, das bei den Olympischen Spielen Barcelona 1992 das Hockeyturnier beherbergt hat, aber davor und seitdem als Fußballstadion genutzt wurde, mit einer entsprechenden Kapazität von über 10.000 Zuschauern. Voll war das Stadion bei der Hockey-WM kaum, aber vor allem bei Spielen der Spanierinnen und Argentinierinnen war die Stimmung trotzdem sensationell.

Was sind die größten Herausforderungen eines TD bei einer WM mit 16 Mannschaften?

Die Zahl der Mannschaften ist für Offizielle nicht so wichtig, würde ich sagen, aber die Tatsache, dass es eine WM ist, schon. Bei den Topturnieren wie WM oder Olympischen Spielen ist man sich besonders bewusst, wieviel Zeit und Arbeit die Spieler, Trainer und Schiedsrichter in die Vorbereitung gesteckt haben und wieviel von den Ergebnissen abhängt, vom Job des Trainers bis zum Budget eines Verbandes.

Außerdem ist eine WM auch eine besondere Gelegenheit für Hockey, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren, das den Sport nicht oder nur wenig kennt. Für mich persönlich bedeutet das, dass ich meinen Teil dazu beitragen will, dass das Turnier glatt läuft, dass Spieler, Trainer und Schiedsrichter sichere und faire Bedingungen vorfinden, unter denen sie ihre beste Leistung erbringen können, und dass wir unseren Sport attraktiv präsentieren für die Fans im Stadion und Fernseh- und Streamingzuschauer. Man will nichts grundlegend anders machen, das wäre der falsche Ansatz bei einer WM, aber man achtet noch etwas mehr als sonst darauf, alles möglichst richtig und ganz genau zu machen. Durch die Aufteilung auf zwei Standorte muss ich aber auch sagen, dass es sich nicht wie ein Turnier mit 16 Mannschaften angefühlt hat - einige Mannschaften habe ich während des Turniers nicht einmal persönlich gesehen.

Zum ersten Mal wird ja die WM von 2 Ländern - Niederlande und Spanien - ausgetragen. Gibt es da zusätzliche Herausforderungen?

Ja, auf jeden Fall. Für uns als Offizielle war es die Aufteilung auf die zwei Standorte und Länder, durch die das Team in zwei Teile zerfällt, was zusätzlichen Aufwand bedeutet für die Koordinierung und um das Team für die letzten Tage zusammenzuführen. Wir haben viel darauf hingearbeitet, möglichst hohe Konsistenz zwischen den beiden Standorten zu bieten, darin wie die Offiziellen die Regeln auslegen und anwenden, so dass die Teams hier und da dieselben Bedingungen vorfinden, insbesondere jene, die an beiden Standorten spielen mussten. Für die Mannschaften, die reisen mussten, war auch das natürlich eine Herausforderung. Sie mussten nicht nur alles zusammenpacken und umziehen, sondern sich auch in relativ kurzer Zeit auf völlig andere Bedingungen einstellen, anderes Stadion, andere Wetterbedingungen usw.

Hattest du einen besonderen Wunsch bei der WM?

Vor allem wünsche ich mir für Turniere, wo ich als Offizielle dabei bin, immer dass die Aufmerksamkeit auf dem Sport, auf den Spielen, den Mannschaften und den Spielern und Trainern liegt, nicht auf Zwischenfällen oder Kontroversen. Wir arbeiten darauf natürlich hin, aber ohne Glück geht es nicht. Bei dieser WM hatten wir Gott sei Dank recht viel Glück - kaum gröbere Verletzungen, keinen größeren COVID-Ausbruch (was natürlich eine Befürchtung war) und keine großen Eklats. Ich denke, insgesamt war es eine gute Vorstellung für unseren Sport und speziell für das Damenhockey.

Vielen Dank für das Interview, liebe Elisabeth!